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Aus der Praxis

Digitaler Waldkindergarten: Was ich beim Tag der offenen Tür gelernt habe

Am 2. Mai 2026 hat unser Waldkindergarten „Die Waldbienen” sein zehnjähriges Bestehen gefeiert. Mittendrin hielt ich einen Kurzvortrag zum Thema „Digitaler Waldkindergarten”. Das Erstaunlichste dabei war jedoch nicht der Vortrag selbst, sondern die Gespräche davor und danach.

Florian4. Mai 20267 Min. Lesedauer

Es gibt diese Tage, an denen man morgens denkt: „Heute halte ich einen kurzen Vortrag, dann gibt es Kaffee und Kuchen und am Abend bin ich wieder zu Hause.” Doch dann nimmt man von genau diesem Tag etwas ganz anderes mit, als erwartet.

Ich bin Florian, erster Vorstand unseres Waldkindergartens „Die Waldbienen” in Kirchberg im Wald. Am 2. Mai 2026 haben wir unser zehnjähriges Bestehen gefeiert. Es gab einen Tag der offenen Tür mit Begehung der Plätze, Klettern, Sengzelten-Machen, Malen mit Naturfarben, Käsespätzle und Grillwürstchen, Kaffee und Kuchen sowie eine Diashow als Rückblick auf zehn Jahre. Und mittendrin hielt ich einen 30-minütigen Vortrag zum Thema „Digitaler Waldkindergarten”.

Wir hatten die umliegenden Waldkindergärten eingeladen. Es war auch jemand vom Landesverband der Waldkindergärten in Bayern da und die lokale Presse hat berichtet. Ich will gleich ehrlich sein: Es waren zwei andere Waldkindergärten anwesend. Nicht zwanzig. Nicht zweihundert. Zwei. Trotzdem war dieser Tag für mich – und für das Thema – ein wichtiger Schritt. Und ich glaube, ich verstehe jetzt besser, warum.

Florian – Gründer von Waldkindergarten.app bei einem Vortrag

Die Gespräche vor dem Event waren der eigentliche Anlass

In den Wochen vor dem Tag der offenen Tür habe ich mit mehreren Waldkindergärten telefoniert. Ich wollte verstehen, wie der Alltag dort ist – jenseits unserer eigenen Erfahrung. Was mir dabei aufgefallen ist, war eigentlich der Anlass für den Vortrag.

Auf die Frage „Wie seid ihr denn organisiert?“ kam fast immer dieselbe Antwort: „Eigentlich sind wir ganz gut aufgestellt.“ Im nächsten Satz hieß es dann aber: „Naja, die WhatsApp-Gruppe ist halt manchmal chaotisch.“ „Die Beobachtungsbögen machen wir noch händisch.“ – „Die Verträge gehen immer noch per Post raus, das ist schon mühsam.“ – „Unsere Leitung sitzt abends oft noch zwei Stunden am Schreibtisch.“

Das war kein Einzelfall. So verlief jedes einzelne Gespräch. Eine ehrliche Selbsteinschätzung, gefolgt von einer fast unbemerkten Aufzählung aller Stellen, an denen es klemmt. Die Diskrepanz zwischen „eigentlich gut“ und der Realität war frappierend – und genau deshalb wusste ich, worum es in meinem Vortrag gehen muss.

Was ich im Vortrag gesagt habe

Ich habe nicht über Tools gesprochen. Ich habe auch nicht versucht, eine App zu verkaufen. Stattdessen habe ich drei Dinge nebeneinandergestellt:
1. Wie es heute in den meisten kleinen Waldkindergärten läuft.
2. Warum das so ist.
3. Was theoretisch möglich wäre.

Heute: WhatsApp ist der Hauptkanal für die Kommunikation mit den Eltern. Die SELDAK-, SISMIK- und PERIK-Bögen werden mit Stift und Papier ausgefüllt – oft abends am Küchentisch. Verträge werden ausgedruckt, unterschrieben, eingescannt und per Post verschickt. Die Anwesenheit wird auf einem Klemmbrett dokumentiert. Der Datenschutz bei WhatsApp wird mit einer Eltern-Unterschrift „gelöst”, die rechtlich bestenfalls grenzwertig ist. Ausnahmslos alle Einrichtungen, mit denen ich gesprochen habe, dokumentieren ihre Beobachtungen noch händisch.

Warum das so ist: Kein Budget. Keine Zeit, sich in komplexe Software einzuarbeiten. Die bestehenden Lösungen sind entweder zu teuer oder für eine Einrichtung mit 20 Kindern und einem ehrenamtlichen Vorstand zu umfangreich. Und – das kam in meinen Vorgesprächen mehrfach zur Sprache – die Eltern wollen keine weitere App. Sie haben schon genug auf ihrem Smartphone.

Was möglich wäre: Beobachtungsbögen können direkt beim Kind am Tablet ausgefüllt werden – und nicht abends aus der Erinnerung. Verträge digital unterschreiben, ohne Drucker. Push-Nachrichten statt WhatsApp mit klarer Trennung zwischen wichtigen Informationen und sozialem Geplauder. So gewinnt man eine Stunde pro Tag zurück, die heute in Bürokratie versickert.

Eine Stunde pro Tag. Das war die Zahl, die mir am wichtigsten war. Nicht, weil sie marketingtauglich klingt, sondern weil sie konkret ist. Es geht nicht um „mehr Effizienz” oder „Modernisierung”. Es geht darum, dass eine Erzieherin abends nicht mehr am Küchentisch sitzt, weil die Bögen vom Wochenende noch nicht erledigt sind.

Der Landesverband bestätigt: Das Thema ist nicht mein privates Steckenpferd

Für mich war es ein wichtiges Signal, dass an diesem Tag jemand vom Landesverband der Waldkindergärten in Bayern dabei war. Nicht, weil das den Vortrag offizieller gemacht hätte, sondern weil es zeigt, dass das Thema „Digitalisierung im Waldkindergarten” branchenrelevant ist. Es ist nicht nur die fixe Idee eines Softwareentwicklers, der zufällig einen Waldkindergarten leitet. Es ist ein Punkt, der gerade überall hochkocht.

Im Gespräch nach dem Vortrag wurde mir klar, was ich vorher nur geahnt hatte: Die Leitungen kleiner Waldkindergärten sind völlig zugeschüttet mit Bürokratie. Alle wollen mehr Zeit für die Kinder. Und alle haben das Gefühl, dass „Digitalisierung” ein Riesenthema ist, das man irgendwann angehen muss, aber niemand weiß, wo man anfangen soll.

Was ich für unseren eigenen Waldkindergarten gebaut habe

Am Ende des Vortrags habe ich kurz gezeigt, wie die Werkzeuge in unserem Alltag aussehen. Ohne Demo-Klick-Marathon, sondern als Beispiel. Was passiert, wenn man sich als ehrenamtlicher Vorstand und Softwareentwickler hinsetzt und Stück für Stück das digitalisiert, was im eigenen Alltag am meisten nervt?

Die Waldkindergarten App ist daraus entstanden. Nicht als großes Produkt mit Vertriebsteam, sondern als das, was ich für unsere eigene Einrichtung gebraucht habe und nun anderen kleinen Waldkindergärten zur Verfügung stelle. Entsprechend einfach war die Einladung am Ende des Vortrags: Wir suchen Pilotpartner. Kostenloser Zugang gegen ehrliches Feedback. Mehr nicht.

Es war ein kleiner Anfang. Und das ist okay.

Wenn ich am Abend des 2. Mais eine Sache mit nach Hause genommen habe, dann ist es diese: Es waren zwei andere Waldkindergärten da. Jeder einzelne dieser Kontakte hat jedoch zu einem konkreten Folgegespräch geführt. Der Vertreter des Landesverbands hat zugehört. Die lokale Presse hat berichtet.

Mehr brauchte dieser Tag gar nicht. Es ging nicht darum, eine Welle loszutreten. Es ging darum, ein Gespräch in unserer Branche anzustoßen, das überfällig ist. Das hat funktioniert.

Schritt für Schritt, nicht alles auf einmal

Zum Schluss möchte ich noch eine Sache loswerden, die mir wichtig ist und die sich wie ein roter Faden durch den Vortrag zieht: Einen Waldkindergarten zu digitalisieren ist kein Luxus. Es ist auch kein Modernisierungs-Selbstzweck. Es ist eine konkrete Chance, den Alltag zu entlasten, sodass Erzieherinnen weniger Zeit am Schreibtisch und mehr Zeit mit den Kindern verbringen können.

Aber das geht nicht über Nacht. Niemand wechselt am Montag von Klemmbrett auf Tablet, von WhatsApp auf Push-Nachrichten, von Papier-SELDAK auf digitalen Beobachtungsbogen. Das wäre auch der falsche Weg. Wer einen Beobachtungsbogen für den Kindergarten zum ersten Mal digital ausfüllt, braucht Vertrauen in das System – und Zeit, um die neue Routine zu entwickeln.

Schritt für Schritt heißt: Was nervt am meisten? Da fängt man an. Bei uns war es die Elternkommunikation. In einem anderen Waldkindergarten könnten es die Anwesenheitsliste, die Beobachtungsbögen oder die Verträge sein. Es gibt nicht den einen richtigen Einstieg in die Verwaltung eines Waldkindergartens – es gibt nur den, der zur eigenen Einrichtung passt.

Für uns war der Tag der offenen Tür ein Anlass. Für mich war es der Anfang einer Reihe von Gesprächen, die jetzt weitergehen.

Euer Waldkindergarten hat Lust, Pilotpartner zu werden? Kostenloser Zugang gegen ehrliches Feedback – mehr brauche ich gerade nicht. Schreibt mir direkt: hallo@waldkindergarten.app oder schaut euch die App in Ruhe an.